Vize Europameister Elite bei meinem zweiten 24h Rennen!

Aktualisiert: 9. Okt 2019

Die Idee entstand letztes Jahr im Oktober: Alexander Szerencsi und ich planten die Saison 2020 und plötzlich kam er auf die bescheidene Idee, mich für die 24h MTB Europameisterschaft als Einzelfahrer anzumelden. Kurzer Email Kontakt mit dem Verband und schon war ich angemeldet. Bis dahin war ich noch nie ein 24h Rennen alleine gefahren und nun war ich für die EM angemeldet?! Jetzt musste ein Plan her. Wir setzten uns mit Steffi Steinberg zusammen und bekamen ihren Zuspruch und die Unterstützung. Sie half mir in diesem Jahr mit Trainingsplänen und nahm die Herausforderung an, mich auf mein erstes Solo 24h Rennen vorzubereiten. Ich bemerkte schnell große Fortschritte und konnte bei meinem ersten Solo 24h MTB Rennen, dem 24h Stöffelrace, welches gleichzeitig ein Testlauf für die EM sein sollte, gleich einen neuen Rundenrekord aufstellen. Nun war ich bereit für und fuhr mit einem guten Gefühl nach Portugal.


So viel zur Vorgeschichte, nun zum Rennen ;)


Die Runde, 15km und 450hm, erwies sich bereits nach der ersten Besichtigung am Donnerstag durch den hohen Trailanteil bergauf wie bergab als sehr anspruchsvoll und ließ sich mit keiner 24h Strecke in Deutschland vergleichen. Gemeinsam mit Alexander Szerencsi inspizierte ich die Strecke und wir gingen mögliche Linien durch, die fahrbar waren. So konnte ich mich mit einem guten Gefühl auf die Strecke einstellen.


Gestartet wurde am Samstag um elf Uhr. Irgendwie schaffte ich es in die erste Startreihe und durfte neben dem späteren Sieger, dem Finnen Matti Takhola, starten. Es war eine gewisse Anspannung zu spüren. Jetzt ging es los. Fast ein Jahr Training nach Plan von meiner Trainerin Seffi Steinberg hatten mich auf diesen Moment vorbereitet. Ich war fit: das hatte der Leistungstest am Dienstag vor dem Rennen gezeigt. Jetzt musste ich liefern! Der Startschuss ertönte und es ging los.


Ich schaffte es von Anfang an, mich in der Spitzengruppe festzusetzen, und fuhr die ersten zwei Runden ganz vorne mit. Ich stellte fest, dass das Tempo für mich zu hoch war und nahm etwas Tempo raus. Die vierköpfige Verfolgergruppe hatte mich schnell eingeholt; ich schloss mich dieser Gruppe an und wir fuhren für knapp vier Stunden gemeinsam. Durch ein konstantes Tempo konnten wir Fahrer, die aus der Spitzengruppe heraus fielen, überholen und uns konstant nach vorne arbeiten.

Der anhaltende Regen verwandelte die Strecke in der Zwischenzeit von einer sehr anspruchsvollen MTB Strecke in eine fast unfahrbare MTB Strecke. Die Trails waren zu Bachläufen geworden und auf den wenigen flachen Stücken bildeten sich 10 bis 20 Meter lange Pfützen! Bei diesen Verhältnissen riss die Gruppe immer weiter auseinander und es war kaum möglich, gemeinsam zu fahren. Ich konnte mein Tempo halten und lag inzwischen tatsächlich auf Platz zwei mit einem ständig anwachsendem Vorsprung auf Platz drei.

Nach acht gefahrenen Stunden dann der Schock! In einer der Pfützen holte ich mir auf Platz zwei liegend und 4 Kilometer vom Fahrerlager entfernt einen platten Hinterreifen. Das konnte doch nicht wahr sein! Jetzt lief es so gut und nun sollte mich ein platter Reifen ausbremsen? Ich hielt an und probierte, den Reifen mit der Luftpumpe aufzupumpen. Nach 100 Metern war der Reifen wieder platt. Erneut hielt ich an. Nun versuchte ich es mit den Gaskatuschen, die ich für den Notfall dabei hatte. Auch diese führten nicht zum Erfolg, sodass ich die letzten 4 Kilometer der 15 Kilometer langen Strecke bergab auf der Felge fahrend und bergauf schiebend zurück legen musste. Durch diese Panne überholte mich der bis dahin Drittplatzierte.

Endlich im Fahrerlager angekommen entschieden ich und mein Team den geplanten Stopp eine Stunde vorzuziehen, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Mein Ersatzhinterrad wurde eingebaut, der Antrieb gereinigt, Lampen montiert und ich bekam ein frisches Trikot, Armlinge und meine erste feste Nahrung seit acht Stunden! Drei Kekse! Mein Team war mit sechs Personen und einer im Vorfeld besprochenen Aufgabenteilung so gut aufgestellt, dass diese Pause gerade einmal fünf Minuten dauerte. Wir schafften es so, die verloren gegangene Zeit so gut es ging aufzuholen, und ich verlor keine weiteren Plätze. Ich machte mich wieder auf den Weg und durfte bei der Fahrt durchs Fahrerlager feststellen, dass der Zweitplatzierte immer noch in seiner Box stand. Ich wusste, ich bin trotz plattem Reifen wieder zweiter! Wahnsinn!

Ich freute mich auf die Nacht und allmählich regnete es nur noch in einzelnen Teilen der Strecke. Die Bachläufe verschwanden und hinterließen fiese Spurrillen, aber die Pfützen blieben. Es war das erste Mal, dass mir das Rennen Spaß machte und das war die Hauptsache. Die Nacht verlief bis auf einige Regenschauer in verschiedenen teilen der Strecke gut. Ich gewöhnte mich an die Dunkelheit und konnte mein Tempo konstant halten.


Nach gut 13 Rennstunden bekam ich meine erste Ladung Koffein in die Flasche gemischt um, einer auftretenden Müdigkeit vorzubeugen. Dies hatte bereits in anderen, vergleichbaren Rennen super geklappt und funktionierte auch hier einwandfrei!

Gegen vier Uhr morgens fing es wieder stärker an zu regnen und ich merkte, wie die Motivation immer weiter nachließ. Es war nun bereits seit acht Stunden dunkel und es sollte erst in drei Stunden wieder hell werden! Bei vergleichbaren Rennen in Deutschland ist es gerade einmal sechs bis sieben Stunden dunkel. Das war hier anders. Die elf Stunden Dunkelheit und der anhaltende Regen waren für mich mental die größten Herausforderungen in diesem Rennen.

Gegen acht Uhr wurde es dann endlich hell. Es waren nur noch drei Stunden zu fahren und zum ersten Mal zeigte sich sogar die Sonne! Ich überrundete in den letzten Stunden den Drittplatzierten und spürte, dass ich den zweiten Platz halten kann! So fuhr ich das Rennen zu Ende und kam überglücklich ins Ziel! Vize Europameister bei meinem zweiten 24h Solo Rennen! Das Training hatte sich gelohnt! Meine Trainerin Steffi Steinberg hatte mich in einem Jahr von meinem ersten Solo 24h Rennen zum Vize Europameister in meinem zweiten Solo 24h Rennen gebracht!

Eine schöne Zeit mit meinem Team in Portugal ging damit sehr erfolgreich zu Ende!

Zuletzt möchte ich mich bei allen für die Unterstützung vor, während und nach dem Rennen bedanken. Ich habe mich sehr über eure motivierenden Worte, Anfeuerungen und Glückwünsche gefreut!

Ein großes Dankeschön gilt auch meinen Sponsoren!


Save4Drive

Steinberg Coaching

Wilsberg Metalltechnik

CetoTec

Fahrschule Redmer

PH-Event

Sponser Sportfood

Squirt-Lube

Maxxis

Swisseye



  • Facebook
  • YouTube
  • Instagram

© Sebastian Trimborn  | copyright 2019